Peter Line - Interview
von Bene Heimstädt, 18. Nov 2001
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Glaubst du wirklich, man findet seinen eigenen Weg, wenn man jemand anderen imitiert? Imitieren ist das falsche Wort, es geht hier mehr um Vorbilder, denen man versucht nachzueifern. Du siehst jemanden, der etwas gut kann, besser als du selbst, und das motiviert dich, selbst besser zu werden. Mich hat das voran gebracht.
Wer waren denn deine Vorbilder? Uhm... Ich hatte immer verschiedene Vorbilder, je nach dem, in welcher Phase meines bisherigen Lebens ich mich gerade befunden habe. Als ich vielleicht zehn war, da war Heavy Metal das grosse Ding für mich, und damit Leute wie Ozzy Osborne. Obwohl der nicht wirklich ein Vorbild war. Dann war es die ganze Punkszene. Dann natürlich Skateboarden, vor allem Chris Miller, aber das ist auch schon eine Weile her. Beim Snownboarden waren es Craig Kelly und Chris Roach, die ich immer sehr bewundert habe. Ich denke, mit dem Alter ändert sich auch das Verhältnis zu den jeweiligen Vorbildern. Wenn du jung bist, dann vergötterst du deine Helden, ziehst dich so an wie sie, versucht so zu gehen und zu sprechen wie sie. Je älter man wird, desto weniger versucht man, seinen Vorbildern nachzueifern, sondern empfindet eher Respekt für sie und das was sie tun. Momentan ist das für mich Spike Jonze, obwohl ich ihn noch nie persönlich getroffen habe. Er war Skater, hat Skateboardfirmen gegründet, Skate-Videos gedreht und ist inzwischen ein bekannter Filmemacher. Bei allem, was er angefangen hat, war er einfach immer unglaublich kreativ.
Ich habe neulich ein Interview mit ihm gelesen. Sehr chaotischer Typ, er hat keinen einzigen vollständigen Satz gesagt... Als ob er in seiner eigenen Welt leben würde, in der man irgendwie anders kommuniziert. Wenn du so bist, dann kannst du auch nicht raus aus deiner Haut. Da ist er nicht der Einzige. Man kann nie wissen, was in einem Menschen vorgeht, das hat überhaupt nichts damit zu tun, wie sich derjenige nach außen hin präsentiert. Andererseits, man muss ja auch nicht alles preisgeben, was man denkt oder fühlt.
Machst du das auch so, dass du nur bestimmte Teile deines Lebens preisgibst? Du wirst ja nicht gerade selten interviewt, und die Medien können manchmal ganz schön nerven. Ich glaube nicht, dass ich mein Privatleben irgendwie schützen müsste. Beim Snowboarden ist der Medienrummel doch noch ganz erträglich. Kein Vergleich, wenn man sich mal die Schauspieler zum Beispiel anschaut. Sicher haben die Massenmedien inzwischen ein recht grosses Interesse am Snowboarden und damit auch an den Fahrern, aber niemand lauert mir im Gebüsch mit einer Kamera auf, um irgendwelche peinlichen Photos zu schiessen, auf denen ich mit der falschen Frau abgebildet bin. Für mich ist das alles kein Problem, schliesslich sind wir noch kein Thema in den Boulevard- und Klatschblättern. Auch mit den Interviews ist das kein Ding - die Fragen kommen eben wie sie kommen, und ich beantworte sie, oder auch nicht.
Denkst du, dass Snowboarden mal für die Masse so populär werden könnte, dass es ein Thema für die Klatschspalten wäre? Nein, ich denke nicht. Wenn du dir andere Sportarten wie zum Beispiel Basketball anschaust, da geht es so extrem ab. Da ist es gleich ein Skandal, wenn ein Photo von dir existiert, auf dem du betrunken bist oder mit irgendwelchen Mädels abhängst. Diese Photos wird es von mir auch weiterhin geben, und ich bin nicht scharf darauf, sie in irgendwelchen Schmierblättern zu sehen. Wahrscheinlich hätte ich dann einen Ruf als betrunkene männliche Hure... (lacht)
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