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Peter Line - Interview

von Bene Heimstädt, 18. Nov 2001

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Wenn man die absoluten Superstars unter den Snowboardern aufzählen will, fallen immer die gleichen Namen. Neben Terje Haakonsen steht einer immer ganz oben auf der Liste: Peter Line. Peter hat in den letzten Jahren wie kein Anderer das technische Freestyle-Snowboarden mit seinem progressivem Riding geprägt. Damit nicht genug hat er mit Forum und Four Square auch seine eigene Snowboard- beziehungsweise Bekleidungsfirma gegründet, um die ein beispielloser Hype entstanden ist, der die Gemüter entzweit. Das Forum-Team, das Peter um sich geschart hat, ist eines der besten Teams überhaupt. Das steht nach der diesjährigen Veröffentlichung des Forum-Videos "The Resistance" eindeutig fest. Basta! Ohne Peter Line und seine Jungs wäre Freestyle-Snowboarden nicht auf dem unglaublich hohen Level, auf dem es inzwischen ist. Ausserdem ist Peter Line wohl der einzige Fahrer, bei dem sich die Judges des Air&Style Contest öffentlich entschuldigt haben, weil sein Trick damals so innovativ war, dass sie ihm nicht folgen konnten...

Peter fährt für Forum Snowboards, Four Square Outerwear, Electric und GMC Handschuhe.



Peter, wie sollen wir dieses Interview anfangen?
Klassisch. Mein Name ist Peter Line, ich bin 26 Jahre alt, lebe in Seattle and Südkalifornien und habe die Hälfte meines Lebens mit Snowboarden verbracht... tja, und jetzt sitze ich hier.

Du sagst, du wohnst in Seattle und in Kalifornien. Wann bist du denn wo?
Ich hab mir erst kürzlich ein Haus in Kalifornien gekauft, weil ich den Sommer dort verbringen wollte. Im Winter werde ich wohl öfter in Seattle sein, wenn es dort Schnee hat und die Bedingungen besser sind.

Also ist Seattle deine Heimatstadt?
Ja, ich bin mit meinen Eltern dorthin gezogen als ich zehn war. Zuvor haben wir in Florida gelebt.

Wie war es in Seattle aufzuwachsen? Man denkt da als Erstes an die Musik-Szene; Grunge und so was.
Ich glaube, in Seattle aufzuwachsen ist etwas ganz Anderes, als in Kalifornien groß zu werden. Das fängt schon mit dem Wetter an: In Kalifornien scheint meistens die Sonne, es ist warm, man kann surfen und einfach an den Strand gehen. In Seattle ist es oft kalt, es regnet viel. Die Menschen leben anders dort und entwickeln daher einen anderen Style. Man hat irgendwie mehr Zeit, nachzudenken. Die Leute sind ernster und haben eine ganz andere Einstellung zum Leben. Die Gesellschaft ist dort nicht so facettenreich. Die Leute ergehen sich nicht so sehr in Oberflächlichkeiten, um mit ihren Problemen fertig zu werden, sondern man setzt sich intensiver damit auseinander. Vielleicht deshalb auch die alternative Musikszene in Seattle, die auch einen leichten Hang zur Depression hat, wie ich finde. In Kalifornien dagegen herrscht eine Multikultur, die ganz andere Akzente setzt. Viel spassorientierter, was nicht immer gut sein muss.

Wärst du ein anderer Mensch geworden, wenn du in Kalifornien aufgewachsen wärst?
Auf jeden Fall. Ich weiß allerdings nicht, ob ich mich dann mehr zum Positiven oder eher zum Negativen entwickelt hätte. Es gibt in Kalifornien eine Menge Dinge, die ich nicht besonders gut finde. Dieses ganze kalifornischen Szenen-Ding langweilt mich. In Seattle ist auch nicht alles perfekt und mich stört so Einiges, aber ich fand es trotzdem immer ziemlich interessant.

Du magst Kalifornien also nicht...
Nein, so kann man das nicht sagen. Kalifornien ist einfach wahnsinnig vielschichtig und schwankt von einem Extrem ins andere. Dazwischen ist kaum Platz. In SoCal hast du diesen Surf-Style mit Black Flys, Arnette, Volcom - diesen Style eben. Das ist nicht wirklich mein Ding. Das hast du in Los Angeles auch, aber da gibt es dann noch die ganze Hollywood-Szene, diese ganzen berühmten Leute, wenn du weißt, was ich meine, die wieder ganz anders sind. Das andere Ende des Spektrums. Du bist so oder so nur cool, wenn du die richtigen Leute kennst und mit den Wichtigen abghängst. Das ist anstrengend.

Du fühlst dich zwischen diesen Szenen also nicht wohl?
Nein, das stimmt so nicht. Es ist nur einfach nicht mein Ding, das ist einfach nicht meine Szene...

Was ist denn dann deine "Szene"?
(Zögert) ... Ich bin meine eigene Szene. Meine Szene ist überall und nirgends, ich gehöre nirgendwo und doch überall dazu. So fühle ich mich überall wohl, egal wo ich hinkomme. Der Hauptgrund, warum ich mit dem Skateboarden und Snowboarden angefangen habe war, dass es eben kein Team-Sport ist. Ich wollte nicht von jemandem abhängig sein, wollte einfach nur ich selbst sein, mein Ding machen, meine Tricks, meinen eigenen Style. Beim Skaten und Snowboarden entwickelt jeder seinen absolut eigenen Style.

Individualität ist dir sehr wichtig?
Ja. Egal was man macht, man sollte immer man selbst sein.

Aber mit den Firmen, die du repräsentierst, schaffst du ein extrem polarisierendes Image, das die Leute draussen nachahmen. Besonders was das Forum-Team betrifft. Es gibt unglaublich viele kleine Peter Lines und JP Walkers auf den Pisten. Spricht das nicht gegen diesen Individualitätsgedanken?
Kleine Peter Lines? (lacht). Naja, aber das stört mich überhaupt nicht. Als ich in einem gewissen Alter war, hatte ich auch meine Identifikationsfiguren, meine Vorbilder, besonders beim Skaten. Dann ist es schon ok, wenn die Leute sich jetzt vielleicht mich aussuchen. Das gehört auch dazu, seinen eigenen Weg zu finden. Wichtig ist für mich, dass ich genau weiß, was ich tue und warum. Und das ist der Fall.

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